Wenn Gras zu einem kleinen Kunstwerk wird

Ein sonniger Septembertag, eine stilvolle Hütte mitten in der Natur und mehrere Bündel Gras, aus dem etwas ganz Besonderes entstehen sollte.

Es gibt Tage, die beginnen ganz leise.

Ein solcher Tag war dieser sonnige Septembermorgen in der Schuppisried Hütte in Kreuzlingen. Die Natur lag noch in ihrer morgendlichen Ruhe, die Luft war frisch, und rund um die Hütte schien die Zeit für einen Moment etwas langsamer zu laufen.

Auf dem Boden ausgebreitet wartete bereits das Material: getrocknetes Gras, sorgfältig gesammelt und bereit, in den Händen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer neues Leben zu bekommen.

Unter der fachkundigen und herzlichen Anleitung von Nadja Hillgruber wollten wir uns an ein uraltes Handwerk wagen: das Korbwickeln. Dieses Mal sollte kein gewöhnlicher Korb entstehen, sondern eine wunderschöne ovale Form.

Und so unterschiedlich wie die Menschen, die an diesem Tag zusammenkamen, waren auch ihre Geschichten.

Da waren Menschen, die die Arbeit mit Naturmaterialien lieben und es geniessen, etwas mit den eigenen Händen entstehen zu lassen. Anderen wurde dieser besondere Tag geschenkt – zum Beispiel als Geburtstagsüberraschung. Und für ein Paar war die Teilnahme sogar ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk.

Was sie alle verband, war die Neugier.

Wie fühlt sich dieses Material an?
Wie lässt es sich formen?
Und vor allem: Wird daraus am Ende tatsächlich ein Korb?

Mit jedem Wickeln, Drehen und Formen wurde aus dem anfänglichen Respekt vor dem ungewohnten Material immer mehr Freude. Hände wurden geschickter, die Formen nahmen langsam Gestalt an und aus einzelnen Grashalmen entstand Schritt für Schritt etwas Eigenes. Besonders faszinierend war dabei, dass alle mit demselben Material arbeiteten – und doch kein Werkstück dem anderen glich.

Jeder Korb bekam seine ganz eigene Handschrift.

Die ovale Form wurde zur Schale. Und plötzlich entstanden schon die nächsten Ideen: Wie schön wäre es, diesen Korb mit duftendem Lavendel zu füllen? Ein kleines Stück Natur, das nicht nur schön aussieht, sondern auch einen wunderbaren Duft in den Raum bringt.

Die Natur gab an diesem Tag den ruhigen Rhythmus vor und schuf den perfekten Rahmen für unser gemeinsames Handwerken. So wurde mit Freude gewickelt, geflochten, ausprobiert, gelacht und gestaunt. Es entstand diese besondere Atmosphäre, die sich einstellt, wenn Menschen gemeinsam etwas erschaffen.

Kein Zeitdruck.
Kein Perfektionsanspruch.
Einfach die Freude am Tun.

Und dann war er da – der Moment, auf den alle gewartet hatten. Die Körbe waren fertig.

Mit einem stolzen Lächeln hielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Werkstücke in den Händen. Was am Morgen noch ein unscheinbares Bündel Gras gewesen war, hatte sich in etwas ganz Persönliches verwandelt.

Ein Korb.

Selbst gemacht.
Einzigartig.
Und voller Erinnerungen an diesen besonderen Tag.

Vielleicht wird der eine später mit Lavendel gefüllt, der andere bekommt einen schönen Platz im Garten. Und vielleicht begleitet einer seinen Besitzer sogar zu einer Mittelalterveranstaltung, wo er stolz gezeigt werden kann.

Es war ein Tag voller Natur, Handwerk, Begegnungen und Freude.

Und einmal mehr hat sich gezeigt, wie wunderbar es sein kann, mit den eigenen Händen etwas entstehen zu lassen.

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