Wild, grün und wunderbar - Vom Garten direkt auf die Gabel

Als der Frühling in den Topf hüpfte, lag der Duft von frischen Kräutern, Erde und Sonne über dem Schulgarten der Montessori Schule «Bildung mit Weitblick». Unter strahlend blauem Himmel trafen sich neugierige Köchinnen und Köche, um dem wilden Grün am Wegesrand mit neuen Augen – und vor allem mit neuem Geschmackssinn – zu begegnen.

„Und kauen muss man es!“, hiess es lachend zwischen Brennnesseln, Löwenzahn und Giersch. Was viele bisher achtlos als Unkraut betrachteten, bekam an diesem Tag einen neuen Namen und eine neue Würde: Beikräuter. Zarte, wilde Begleiter des Frühlings, voller Geschmack, Geschichten und Überraschungen.

Einige Teilnehmende kannten die wilden Pflanzen bereits aus ihren eigenen Gärten. Andere waren durch den erfrischenden Brennnessel-Smoothie am Gartentag in Kreuzlingen neugierig geworden und meldeten sich kurzerhand zum Kochworkshop bei Nadja Hillgruber an. Nun standen sie gemeinsam zwischen Beeten und Blüten, sammelten, schnippelten, probierten, tauschten Erfahrungen aus und liessen ihrer Kreativität freien Lauf.

Es wurde gefachsimpelt, improvisiert und experimentiert – mit leuchtenden Augen und grünen Fingern. Und plötzlich hüpfte der Frühling tatsächlich in den Topf: würzig, frisch, wild und überraschend fein. Fast so, als hätte man den Geschmack einer Frühlingswiese eingefangen – „wie die Kühe das Wilde gegessen“, meinte jemand schmunzelnd.

Für staunende Gesichter sorgten besonders die knusprig süssen Ahorn-Propeller-Knusperli und die Löwenzahnspaghetti mit Brennnessel-Pesto. Aus bunten Blüten wurden kleine Kunstwerke, aus Neugier Begeisterung. Mutter und Tochter kochten Seite an Seite, die Kindergärtnerin sammelte Ideen für ihre Klassen, Wildkräuter-Neugierige entdeckten völlig neue Geschmackswelten, die sie nachkochen möchten.

Wenn Essen wieder Zeit braucht, schmeckt das Leben anders

Je länger gekocht wurde, desto lauter knurrten die Mägen. Geduldig warteten alle auf das letzte Gericht. Doch als endlich probiert wurde, reihten sich die „Ahhs“ und „Mmmhs“ wie eine kleine Frühlingsmelodie aneinander. Manche packten sogar Kostproben für Zuhause ein – damit auch Partner und Ehemänner erfahren konnten, wie köstlich der Frühling schmeckt.

Und am Ende blieb mehr zurück als nur volle Teller. Es blieb das Staunen darüber, wie reich die Natur direkt vor unseren Füssen ist. Es blieb die Erkenntnis, dass aus vermeintlichem „Unkraut“ wunderbare Beikräuter werden können. Und es blieb die Freude, mit allen Sinnen entdeckt zu haben, dass der Frühling nicht nur blüht – sondern auch gekocht werden kann.

Eine Teilnehmerin brachte das Erlebnis auf den Punkt:
„Ich fand es einfach toll, inspirierend und war mit vielen Sinnen dabei – danke für das tolle Erlebnis; für den besonderen Frühling im Topf. Ich habe mir fest vorgenommen, einiges auszuprobieren.“

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