von Nadja Hillgruber
An einem Frühlingskurs, während draussen leise Schneeflocken vom Himmel fielen, begann im Atelier der Volkshochschule Wil ein ganz besonderer Osterzauber. Schon beim Betreten des Raumes lag ein würziger Duft von Gras und Kräutern in der Luft. Die Naturpädagogin Nadja Hillgruber lud zu dem Kurs «Osterkorb aus Gräsern & Kräutern – Korbwickeln mit Herz“ ein. Auf einem Tisch präsentierte sie eine kleine Ausstellung – Körbe aus feinen Gräsern, geflochten gewickelt und genäht, damit holt man sich die Frühlingswiese auf den Tisch. Sie waren jedoch nicht zum Kaufen gedacht. Sie sollten zeigen, wohin die Reise an diesem Kursnachmittag führen würde.
Die Teilnehmerinnen waren aus Frauenfeld, Bronschofen und Wil angereist, jede mit einem klaren Wunsch: den eigenen Osterkorb zu fertigen. Einen Korb, in dem später die bunt gefärbten Eier – mit Naturfarben gestaltet – ihren Platz finden würden.
Die Geschichte, die im Laufe des Kurses erzählt wurde, brachte die Frauen zum Schmunzeln: Schokoladenhasen möchten nämlich gar nicht gegessen werden. Eine Vorstellung, die an diesem Nachmittag noch eine kleine Rolle spielen sollte.
Es wartete eine grosse Auswahl an Süss- und Sauergräsern sowie Kräutern. Das Naturmaterial fühlte sich trocken und zugleich lebendig an. Faszinierend war die Vorstellung, dass aus einzelnen Halmen, etwas Faden, einer Nadel und handwerklichem Geschick tatsächlich ein Korb entstehen konnte.
Der Anfang verlangte Geduld. Hände, Kopf und Material mussten sich erst aufeinander einstellen. Augen, Finger, Faden, Nadel und Gras wollten koordiniert werden, während langsam die Form eines Korbes entstand. Die Teilnehmerinnen steckten Halm für Halm zusammen, wickelten, nähten, zogen, formten. Manche stellten sich anfangs mit einem Lächeln als eher „handwerklich unbegabt“ vor – mit zwei linken Händen, wie sie selbst sagten. Skepsis lag in der Luft: Würde das wirklich gelingen?
Doch je länger gearbeitet wurde, desto mehr verwandelte sich die anfängliche Unsicherheit. Während draussen der Schnee fiel, arbeiteten drinnen die Hände mit so viel Energie, dass es im Atelier angenehm warm wurde. Anfangs herrschte konzentrierte Stille. Jede sass über ihrem entstehenden Korb, vertieft in das Zusammenspiel von Material und Bewegung. Reihe um Reihe wuchs jedoch nicht nur der Korb – auch die Entspannung. Die Gedanken wurden freier, Gespräche begannen, hier ein Lachen, dort eine kleine Ermutigung. Bald waren alle mitten im Osterkorb-Flow. Während Halm für Halm eingearbeitet wurde und die Hände unermüdlich arbeiteten, hörten die Frauen immer wieder den fachlichen Inputs von Nadja Hillgruber zu. Sie erzählte von den verschiedenen Gräsern, die sich besonders gut zum Korbnähen eignen, wie man sie lagert und wo man sie sammeln kann. Ebenso erklärte sie, wo das Sammeln nicht erlaubt ist – etwa in naturgeschützten Gebieten. Es wurde über Vor- und Nachteile der Materialien diskutiert und über Erfahrungen bei der Verarbeitung gefachsimpelt.
Auch die anfänglich kritischen Korbmacherinnen machten an diesem Nachmittag eine kleine Entdeckung: Das Talent zum Korbnähen schlummert manchmal einfach im Verborgenen. Es braucht nur das Einlassen auf das Material, die Langsamkeit des Handwerks und den Moment der Ruhe. In diesem Zusammenspiel öffnet sich die Kreativität – und Ideen beginnen zu fliessen.
Am Ende des Nachmittags stand vor jeder Teilnehmerin ein fertiges Körbchen. Jedes einzelne war anders, einzigartig in Form und Charakter. Zum Abschluss wurde jedes Körbchen mit einem naturgefärbten Ei gefüllt. Diese kleinen Kunstwerke werden an Ostern bestimmt einen besonderen Platz auf dem Ostertisch finden.
Und die Sache mit den Schokoladenhasen? Nun – vielleicht gehören sie gar nicht in solche natürlichen Körbchen. Schliesslich möchten sie ja gar nicht gegessen werden, wie wir gelernt haben. Bevor sie im Sonnenlicht schmelzen und traurig einknicken, erscheint der Zauberzwerg, schwingt seinen Zauberstab und ruft:
„Abrakadabra kadiere – werdet lebendige Tiere!“
Und wundert euch nicht, wenn an Ostern plötzlich schokobraune, verzauberte Hasen durch den Garten hoppeln. Vielleicht waren es genau jene, die einfach nicht gegessen werden wollten.
Noch weitere Graskorbkurse findest du unter Termine













