von Nadja Hillgruber
„Rotkohl mit Zitrone ist meine Lieblingsfarbe“, sagt eine Teilnehmerin und hält ihre frisch gemischte Nuance gegen das Licht. Ein Satz, der an diesem Sommertag ganz selbstverständlich klingt – als wäre es das Natürlichste der Welt, Lieblingsfarben nicht zu kaufen, sondern aus Blättern, Blüten, Erde und Neugier entstehen zu lassen.
Aus dem Thurgau, aus Zürich, aus Luzern und sogar aus dem grenznahen Deutschland reisen die Teilnehmerinnen an. Ihr Ziel: der Schulgarten der Montessori Schule „Bildung mit Weitblick“ in Kreuzlingen. Ein Ort, der an diesem Tag mit „Ferox Natura Artis“ mehr ist als Kulisse. Unter den kühlenden Bäumen zieht eine leichte Sommerbrise durch den Garten, dahinter glitzert der Bodensee. Es ist einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer wird. Und beginnt, genauer hinzusehen.
Schon im gemeinsamen Startkreis geschieht das erste kleine Wunder.
In der Kanne leuchtet der Tee der Schmetterlingserbse tiefblau. Nadja Hillgruber goss den blauen Tee der Schmetterlingserbse von einem Gefäss ins andere – und plötzlich war das Blau nicht mehr Blau. Als hätte die Farbe selbst beschlossen, ihre Geschichte zu wechseln. Für einen Moment schien es, als würde nicht nur die Flüssigkeit ihre Gestalt verwandeln, sondern auch etwas in den Menschen, die staunend zusahen. Wie von Zauberhand verwandelt sich das Blau in ein lebendiges Violett. Ein kollektives Staunen geht durch die Runde. Die ersten „Ahhs“ und „Ohhs“ erklingen. Farben werden an diesem Tag nicht erklärt – sie werden erlebt.
Der Sommer zeigt sich leicht und zugleich vergänglich. Nach der langen Hitzewelle Ende Juni sind viele Pflanzen bereits verblüht. Doch gerade das macht die mitgebrachten Schätze umso kostbarer: frische Blätter, Blüten und Pflanzen aus den jeweiligen Regionen der Teilnehmerinnen. Jede bringt etwas mit. Jede Frage beginnt gleich: Welche Farbe verbirgt sich darin?
Dann wird gearbeitet.
Pinsel tauchen in Blüten. Blätter werden mit Wasser vermengt. Es wird zerkleinert, gemörsert und gemischt. Auf den selbst getöpferten Malpaletten, die Nadja Hillgruber jeder Teilnehmerin an ihrem Naturwerkstattplatz bereitgestellt hat, wachsen Tröpfchen für Tröpfchen neue Farbwelten heran.
Fast zärtlich werden erste Mischungen ausprobiert.
Ein Mäusetränchen hier, ein weiterer Tropfen dort – und plötzlich erscheint genau jener Ton, nach dem jemand gesucht hat: Pink. Lindgrün. Himmelblau. Rosa. Die Farben werden auf kleinen Farbkarten festgehalten. Denn Naturfarben sind lebendig und flüchtig. Sie verändern sich, trocknen heller, dunkler, überraschender. Was eben noch leuchtete, erzählt später eine andere Geschichte.
Und doch bleibt etwas.
Am Nachmittag verändert sich nicht nur die Farbpalette, sondern auch die Stimmung.
Die Vorsicht weicht. Das Nachdenken darüber, ob etwas „richtig“ oder „falsch“ sei, verliert an Bedeutung. Stattdessen entsteht Raum für spielerisches Experimentieren – ganz im Sinne des naturpädagogischen Ansatzes, den Nadja Hillgruber mit ruhiger Selbstverständlichkeit lebt.
Mutiger werden die Rakel über die Drucksiebe gezogen. Pflanzenfarben legen sich schimmernd auf Papier. Goldiges Grün erscheint dort, wo zuvor nur Vermutung war.
Besonders magisch wird es beim Ecoprint.
Wie geheime Schriftrollen werden die Papiere geöffnet. Blatt für Blatt entfalten sich Abdrücke von Pflanzen, feine Linien, Schatten, überraschende Farbspiele – als hätten die Blätter selbst eine Botschaft hinterlassen.
„Das ist Natur pur“, sagt jemand leise.
Und tatsächlich fühlt es sich an diesem Tag weniger nach Workshop an als nach Entdeckungsreise.
Nadja Hillgruber teilt Methoden, Erfahrungen und Techniken aus ihrer eigenen Praxis – nicht als Anleitung zum perfekten Ergebnis, sondern als Einladung zum eigenen Forschen. Zum Ausprobieren. Zum Staunen.
Als der Tag sich dem Ende neigt, erzählt sie noch ein Märchen.
Und vielleicht ist es dieses Märchen, das bleibt.
Denn am Abend gehen die Teilnehmerinnen nicht mit perfekten Bildern nach Hause.
Sie nehmen etwas anderes mit.
Ein wenig Erde unter den Fingernägeln.
Farbe auf der Haut.
Den Duft von Blättern in ihrer Kleidung.
Farbkarten voller flüchtiger Momente.
Und etwas Helles in ihrem Inneren.
Vielleicht auch eine neue Frage.
Nicht mehr: Wie geht es dir?
Sondern:
Welche Farbe in dir möchte gerade gesehen werden?
Stoppe das Video genau an der Stelle, die dich intuitiv ruft. (Link verbindet dich mit meinem Instagram Kanal) ✨Vertraue deiner Intuition. Die Affirmation, bei der du innehältst, darf dich durch deine Naturfarbenzeit begleiten. Sie möchte dich erinnern, einladen und inspirieren.
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Weitere Events im Schulgarten:
Sonntag 30. August Natur & Farben – die bunte Welt entdecken! - Wir malen mit Blumen und Matsch! Blüten rein, Pinsel raus – Naturfarben für kleine & grosse Künstler! Im bunten Schulgarten der Montessori Schule „Bildung mit Weitblick“ für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Samstag 26.9. 5-Jahres-Feier Montessori Schule "Bildung mit Weitblick" in Kreuzlingen











