von Nadja Hillgruber
An einem sonnendurchfluteten Septembertag füllte sich die urige Blockhütte in Kreuzlingen mit gespannter Vorfreude. Unter der Leitung von Nadja Hillgruber kamen die Teilnehmenden zusammen, um sich auf ein besonderes Erlebnis einzulassen: das Flechten eines Graskorbes.
Die Auswahl an Materialien war überwältigend: zarte Süss- und Sauergräser, duftender Lavendel, kraftvoller Beifuss und leuchtender Rainfarn lagen bereit. Dank vieler mitgebrachter Pflanzen entstand eine bunte Vielfalt, die zum Experimentieren einlud. Wie würde sich wohl dieses oder jenes Kraut in den Korb einfügen? Die Neugier war gross.
Wenn Handwerk zur Meditation wird
Es beginnt mit einer kleinen Herausforderung, die Geduld und Konzentration forderte: das erste Grasbüschel will nicht so recht halten, die Wicklungen wirken noch ungewohnt, die Finger suchen nach der richtigen Spannung. Doch dann, nach einigen Runden, geschieht etwas Besonderes – die Gedanken werden stiller, die Bewegungen fliessender. Halm für Halm, Stich für Stich, kommt der Geist zur Ruhe. Das monotone, aber zugleich kreative Tun verwandelt sich in einen Rhythmus, der an Atmung erinnert.
In dieser Wiederholung steckt Magie: Der Alltag rückt in den Hintergrund, der Blick richtet sich nach innen, und aus dem einfachen Flechten entsteht ein meditativer Zustand. Plötzlich ist es nicht mehr nur ein Korb, der wächst, sondern ein Raum der Achtsamkeit. Gespräche fliessen leichter, Lachen ertönt rund um die Hütte, und gleichzeitig wird jeder Griff zu einer stillen Meditation über das Wesentliche im Leben. So wird Handwerk zu mehr als blossem Tun – es wird zum Weg, innere Balance zu finden und sich mit dem Hier und Jetzt zu verbinden.
Jeder Korb ist einzigartig
Zur Mittagszeit wartete ein reichhaltiges, liebevoll zusammengestelltes Buffet auf die Teilnehmenden. Neben den köstlichen Heukartoffeln gab es Salate, Aufstriche, frisches Brot, Kuchen und viele weitere selbstgemachte mitgebrachte Spezialitäten. Gemeinsam genossen wir das Essen – ein Fest der Sinne, das die Gemeinschaft noch enger und freudiger zusammenwachsen liess.
Der krönende Moment kam am Ende: Alle fertigen Körbe wurden in die Mitte gestellt. Welch ein Anblick! Jeder Korb war unverwechselbar – Ausdruck der Persönlichkeit und Hingabe seiner kreativen Schöpferin. Der Raum füllte sich mit Stolz, Demut, Freude und dem warmen Duft von getrocknetem Gras.
Zum Abschluss las Nadja ein eigens verfasstes Märchen vor: „Der Graskorb der Erinnerung“. Es erzählte von der Sehnsucht nach innerer Erfüllung, vom heilsamen Lauschen auf die Natur und vom Flechten als Weg zurück zu sich selbst. In dieser Geschichte wurde der Korb zum Symbol der Verbindung – zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Mensch und Erde, zwischen dem, was war, und dem, was noch wachsen will.
So endete ein Tag voller Schönheit, Achtsamkeit und Gemeinschaft. Alle gingen erfüllt nach Hause – mit ihrem Korb in den Händen, dem Duft von Sommer in der Nase und einem stillen Lächeln im Herzen.
Kurstermine Graskörbe 2026









