von Nadja Hillgruber
Der gepflegte Rosengarten von Theres Brassel, eingebettet zwischen Mehrfamilienhäusern und zur Erdgeschosswohnung gehörend, zeigte sich von seiner schönsten Seite. Duftende Rosen, begleitet von harmonisch abgestimmten Stauden, schufen eine kleine Oase, die zum Verweilen und Entschleunigen einlud.
Die Gäste spannten einen Bogen über beinahe ein ganzes Jahrhundert – vom wenige Monate jungen Besucher bis zum 99-jährigen Gartenfreund. Was sie verband: die Freude am Innehalten. Zwischen Blüten, Schattenplätzen und Vogelstimmen entstand eine Atmosphäre, in der die Zeit für einen Moment langsamer zu vergehen schien.
Gastgeberin Theres Brassel, Mitglied der Gesellschaft schweizerischer Rosenfreunde, begrüsste jeden ihrer Besucher persönlich – und wie viele sie kennen: herzlich, unkompliziert und barfuss. Seit inzwischen zehn Jahren organisiert die 76-Jährige den offenen Garten, der jährlich bei Bioterra ausgeschrieben wird. Ihr Organisationstalent und ihre Leidenschaft für naturnahes Gärtnern sind dabei überall spürbar.
Auf dem Buffet stand der gekühlte Wein – der bei diesen Temperaturen jedoch lieber in der Kühlbox blieb – erfrischende Minzgetränke, frische mitgebrachte Beeren selbst gebackener Gugelhopf und frischer Zopf. Genau das Richtige für einen heissen Sommertag.
Der Garten selbst wird vollständig biologisch gepflegt. Gegen Schädlinge setzt Theres Brassel auf ein eigenes Rezept: ein Pflanzentee aus Brennnesseln, Ackerschachtelhalm und Knoblauch. Doch nicht nur Rosen gehören zu ihrer Leidenschaft. Mit grosser Hingabe zieht sie Schwalbenschwanz-Schmetterlinge auf. In ihrem Aerarium waren bereits 22 Kokons zu entdecken, weitere zwölf Raupen warteten auf ihre nächste Entwicklungsphase – bestens versorgt mit frischen Fenchelzweigen.
Für die musikalische Begleitung sorgte am Nachmittag das «Duo Pensionato». Mit Violine und Violoncello erfüllten sie den Garten mit leichter Kaffeehausmusik. Die sanften Klänge passten perfekt zum heissen Sommernachmittag – und luden manche Gäste dazu ein, im Sitzen leicht mitzuschwingen und Erinnerungen an vergangene Tanzabende aufleben zu lassen.
Ein weiterer Programmpunkt waren die gut besuchten Lesungen von Christine Steingaß. In kurzen Texten aus ihren beiden Büchern nahm sie die Zuhörer mit auf gedankliche Reisen zu Emotionen, Liebe und der Frage, wie wir uns selbst begegnen. Es waren stille Impulse, die noch über die Lesung hinaus nachwirkten.
Passend zum biologischen Gartenkonzept öffnete sich am Brennnesseltisch von Nadja Hillgruber eine ganz eigene Welt. Die Besucher erfuhren Wissenswertes über die Wunderpflanze, ihre Bedeutung für Mensch und Natur und ihre vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Zum Probieren wurden Brennnesselpralinen gereicht – ergänzt durch Erdbeeren mit weisser Schokolade und knusprig gerösteten Brennnesselsamen, die der Frucht ein unerwartet crunchy Gaumenspiel schenkte.
Für besonderes Staunen sorgte zudem das Kleid aus Brennnesselfasern der Designerin Sandra Binaie Masoulehaus Konstanz. Für viele Besucher war es eine neue Entdeckung, dass aus der Brennnessel sogar Textilien entstehen können. Gespräche über Naturpädagogik, kreatives Arbeiten mit Naturmaterialien und die eigene Verbindung zur Natur entstanden fast von selbst.
So wurde dieser heisse Sommertag weit mehr als ein Tag der offenen Gartentür. Zwischen Rosenblüten, Musik und inspirierenden Begegnungen entstand ein Ort, an dem Leichtigkeit spürbar wurde – und an dem die Sommerhitze nicht im Mittelpunkt stand, sondern das gemeinsame Erleben.
Ein Tag, der zeigte: Manchmal braucht es nicht viel – ein paar Rosen, etwas Schatten und Menschen, die ihre Begeisterung teilen.









