von Nadja Hillgruber
Das Buch erzählt von einem kleinen Jungen, der einer hingebungsvollen Gärtnerin begegnet, die ein verwahrlostes Stück Land in einen üppigen, lebendigen Garten verwandelt. Durch diese Begegnung entdeckt das Kind, wie viel Liebe, Geduld und Beharrlichkeit nötig sind, um etwas zu pflegen – und wie lohnend es ist, dranzubleiben. Schritt für Schritt wird sichtbar, dass Fürsorge nicht nur die Umgebung, sondern auch die Menschen selbst verändert.
Das poetische Bilderbuch „Behüten“ lädt Kinder wie Erwachsene dazu ein, darüber nachzudenken, was Fürsorge, Achtsamkeit und Verantwortung bedeuten. In der anschliessenden Gesprächsrunde mit den Kindern der Montessori Schule „Bildung mit Weitblick“ am Feuer wurde deutlich, wie sehr die Themen des Buches Resonanz finden und welche Gedanken und Gefühle sie auslösen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Garten, der durch Zuwendung „in eine blühende Oase verwandelt wurde“. Daraus entwickelte sich schnell die Frage: Was heisst es eigentlich zu behüten? Die Kinder hatten darauf erstaunlich klare und vielfältige Antworten. Für Monika bedeutet Behüten einfach „aufzupassen“, und zwar „auf andere Menschen“. Benjamin ergänzt, dass es vor allem um Menschen gehe, „die einem nahestehen“.
Das Buch eröffnet Raum für die Erkenntnis, dass Fürsorge weit über Pflanzenpflege hinausgeht. Laura bringt das wunderbar auf den Punkt, als sie sagt, man könne auch „Freundschaft … in eine blühende Oase verwandeln“. Damit zeigt sich: Behüten kann sowohl praktisch als auch emotional sein, und das Buch lädt dazu ein, diese Parallelen zu entdecken.
Besonders berührend ist die Einsicht vieler Kinder, dass auch sie selbst Grosses bewirken können. Im Gespräch erinnern sie sich an die eigenen Gemüsebeete im Frühling. Sie haben sie „gepflegt“, „gegossen“ und „die Schädlinge entfernt“ – und wurden mit einer reichen Ernte belohnt. Dieses reale Erlebnis spiegelt die Kernaussage des Buches wider: Wer sich kümmert, kann Wandel schaffen.
Viele Kinder sehen im Behüten auch eine Form des Beschützens. „Ich glaube, das Behüten heisst auch beschützen“, sagt ein Kind, und andere stimmen zu. Doch in der Runde wird ebenso der wichtige Unterschied thematisiert: Anja beschreibt es so, dass man beim Behüten „genau sich um etwas kümmert und da ist“, während Beschützen eher vor Gefahren bewahren bedeutet. Das Buch macht damit deutlich, dass beides zusammengehört, aber nicht dasselbe ist.
Ein besonders reifer Gedanke kommt bei der Frage auf, ob man auch zu sehr behüten kann. „Wenn jemand ein Kind hat … und will, dass ja nichts passiert, dann kann man so sehr aufpassen … dass es nicht mehr selbst wachsen kann“, erklärt ein Kind. Diese Reflexion greift eine der zentralen Botschaften des Buches auf: Wahre Fürsorge lässt Raum zum Wachsen und bedeutet auch, Kontrolle loszulassen.
Sehr schön zeigt sich dies, als darüber gesprochen wird, wie man den Wald mit dem Herzen sehen kann – genau wie die Frau im Buch ihren Garten „mit dem Herzen“ sät. Die Kinder nennen Rituale wie „am Anfang begrüssen wir den Wald“ oder bewusstes Lauschen auf Geräusche. Behüten zeigt sich hier als achtsame Haltung gegenüber Natur und Umwelt.
Am Ende äussern die Kinder ihre persönlichen Eindrücke zum Buch. „Ich finde den Garten richtig schön“, sagt Katja. Leonie ergänzt: „Ich finde es richtig gut. Und es war sehr schön.“ Anja hebt hervor, dass es „eine sehr schöne Geschichte ist, über die man auch gut mal einfach alleine nachdenken kann, wen man denn selbst behütet“. Auch die Illustrationen loben die Kinder als „sehr schön gemalt“.
Damit zeigt sich: „Behüten“ ist ein Buch, das nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern tiefgründige Gespräche ermöglicht und Kindern wie Erwachsenen Denkanstösse gibt. Es regt dazu an, Verantwortung zu übernehmen – für Pflanzen, Menschen, Freundschaften, Natur und nicht zuletzt für sich selbst.
Fazit:
Ein poetisches, warmherziges und nachwirkendes Buch, das in einfachen Bildern große Themen anspricht. Die vielen Gedanken der Kinder zeigen, wie unmittelbar und vielfältig die Botschaft des Buches verstanden wird.



